Igor Stravinsky

  • Freuen Sie sich auf eine Trierer Neuinszenierung dieses rasanten Aufstiegs und tiefen Falls Tom Rakewells, der sein Geld verspielt, Affären mit Frauen hat, sich und seine Mitmenschen ruiniert und schließlich in der Psychiatrie landet. Kongenial mit teuflischem Vergnügen vertont von Strawinsky, dessen neoklassizistische Phase mit diesem Werk ihren Abschluss und Höhepunkt fand. Das Mädchen Anne und der Jüngling Tom lieben sich. Doch Annes Vater drängt Tom zu einem soliden Broterwerb. Tom aber will sich ganz seinen Launen und dem Glück überlassen. Zuerst einmal wünscht er sich Geld. Da erscheint auch schon unerkannt der Teufel, der ihm weismacht, er sei nun wohlhabender Erbe. Die Handlung wird von drei Wünschen Toms in Bewegung gehal-ten: dem Wunsch nach Vergnügen, absoluter individueller Freiheit und einer menschheitsbeglü-ckenden Tat. Doch all diese Wünsche verkehren sich in ihr Gegenteil … Mit „The Rake´s Progress“, zu Deutsch etwa „Die Laufbahn eines Wüstlings“, schuf Strawinsky 1951 seine einzige abendfüllende Oper. Das ironisch-distanzierte, perfekt für die Bühne verfasste Libretto der beiden intelligenten Theaterpraktiker W. H. Auden und Chester Kallman setzt satiri-sche Kupferstiche aus dem 18. Jahrhundert von William Hogarth in Szene. Strawinsky parodierte in seiner Vertonung eine ganze Reihe bekannter Opernmusiken von Monteverdi bis Tschaikowsky – vornehmlich Mozarts Così fan tutte.

  • Conductor Wouter Padberg
  • Director Mikaël Serre
  • Stage design Sébastien Dupouey
  • Costume design Carola Vollath
  • Light design Andreas Rehfeld
  • Video design Sébastien Dupouey
  • Dramaturgy Malte Kühn

With

  • Tom Rakewell Derek Rue
  • Anne Trulove Einat Aronstein
  • Nick Shadow Daniel Carison
  • Baba the Turk Janja Vuletic
  • Father Trulove Karsten Schröter
  • Sellem Thorsten Büttner
  • Sellem Martin Folz
  • Mother Goose Helene Bernardy
  • Keeper of the Madhouse Marc Kugel

  • Producer Theater Trier

DEUTSCHE BUHNE

Regisseur Mikael Serre inszeniert aber sehr „ernst“, vor allem die Figur des Tom Rakewell. Musikalisch ist der Abend ein Erfolg. Die deutsche Bühne schreibt: „Martin Folz motiviert den Chor des Hauses, sich ebenso durchschlagskräftig wie differenziert vernehmen zu lassen. Wouter Padberg musiziert mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt die zugleich kristallklaren und höchst artifiziellen Strukturen der Partitur ebenso heraus wie deren meist nicht nur unterschwellige Ironie.“

VOLKSFREUND

Von Eva-Maria Reuther

Vor Müßigang und Männern wird ausdrücklich gewarnt. „Alles was sie (die Männer) machen, ist Theater“, singt Baba. Und wie es mit an Herz, Hand und Verstand faulen Leuten endet, ist auch klar. Mit ihnen hat der Teufel leichtes Spiel. So die Moral der Geschichte, soll heißen von Igor Strawinkys Oper „The Rake‘s Progress“, die am Samstag im Theater Trier Premiere hatte. Keine Frage: An Denksprüchen ist das Stück reich. Strawinsky nannte es eine Fabel. Und tatsächlich hat Mikaēl Serre die Geschichte vom Lebemann Tom Rakewell wie eine Parabel von Bert Brecht in Szene gesetzt. Dabei trägt die Inszenierung, was ihre Ästhetik angeht, unverkennbar die Handschrift des Franzosen.

LOKALO DE

Von Alexander Scheidweiler

Viel wäre noch zu sagen über dieses nicht doppel-, sondern musikalisch wie textlich drei-, vier-, fünfbödige Werk und die hervorragende Inszenierung, die das Theater Trier diesem Klassiker der musikalischen Moderne angedeihen lässt. Es mag genügen festzuhalten, dass alle Mitwirkenden sich die Standing Ovations zur Premiere mehr als verdient hatten. Das 20. Jahrhundert ist auf der Opernbühne ohnedies unterrepräsentiert – auch das ist ein Grund, sich „The Rake’s Progress“ anzusehen. Aber bei weitem nicht der einzige!